Dös und sall vo sallamal
                                                                                              von Fritz Röll

Dös und sall vo sallamal

Deutsch und Frankawinemerisch - gareimt vo Friedrich Röll 
(Danke für die Veröffentlichungs-Erlaubnis, Fritz!)

1. Der Kenner
2. As Hosaküala
3. Dar Börslschörzer
4. Kindleskärm
5. Zeit zum Heiern
6. Rudolph von Scherenberg

Fritz Röll
1. Der Kenner

Ein Mensch, der viele Weine kennt, sich stolz drum einen Kenner nennt,
hört eines Tags von einem neuen, der den Vergleich nicht braucht zu scheuen.
Auf Frankenwinheim man verweist, wo "Rosenberg" die Lage heißt.
Zwar zweifelt er - wie einst die Frommen:
"Kann denn daher was Gutes kommen?
Das Nest liegt ziemlich weit vom Main 
auf Kalk nicht, sondern Keuperstein."
Doch Neugier ist nur schwer zu stoppen.
Der Mensch bestellt sich einen Schoppen, 
und kaum ist der herbeigebracht, prüft er die Farbe mit Bedacht.
Bekanntschaft macht ein alter Hase 
mit Wein jedoch auch mit der Nase, 
zu deren Schnuppern unentwegt den Römer kreisend er bewegt. 
Behutsam dann wie heißen Tee erforscht er schlürfend das Bouquet, 
das nun - durch Kauen angehalten - beginnt, sich kräftig zu entfalten.
Geschlossnen Augs zieht er Bilanz: "Wie lang der Nachgeschmack, der Schwanz!" - 
Der Mensch um zwölf kommt auf den Nenner: "Ich war's nicht, jetzt erst bin ich Kenner. 
Fürwahr, der 'Rosenberg' hat Rasse, er ist ein Wein der Sonderklasse, 
und trink' ich wieder Frankenwein, soll's der aus Frankenwinheim sein!"
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2. As Hosaküala

An Lähra fröcht a Büabla (as it in Dörf sou Sitt):
"Wöllt Ihr a Hosaküala? I brengs Öich morchn mit."
An onnern Dooch dar Lähra: 
"No, sooch mersch, liawer Bua, 
its gor a rachta schwära, wu hast dia Hosakua?"
"Derheem in Schtall rüm hopft sa,
frißt Kläa widder und Korn.
Drüm wärd Öich niit verklopft sa, si it jo widder worn!"

3. Dar Börslschörzer

Baawollschtoff, sou blau wia Dintn,
üwersch Kröiz dia Bendl hintn,
vorn a Schläffn üwern Schmalz;
obm a Band nu ümmen Hals,
wodalang und jonit körzer
söller sei - dar Börslschörzer.

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4. Kindleskärm

Künnt a Kindla auf die Walt, wärd dös glei in Dörf ausgschallt.
Ohna Schalln und ohna Glockn mecht si eener auf die Sockn, 
und in kam a halwa Stund wäs as Dörf die froha Kund, 
däß höit nacht a Bua it kumma, 
däß die Fraa nu miitganumma 
vo der Arwet, ower Fräd it etz worn aus langa Läd.

Glückli it die junga Moadder und sou schtolz it etz der Vadder, 
däß as Güatla hat an Arbm, kummet ar amal zun Schtarbm.

Und an Sunndoch nach drei Wochn wärds Kind nei die Kärch gatrochn.
Vo derhem bis zun Portal  brengts die Häbamm allamal.
Nachert, ganz garüert, mit Gschbühr träichts der Doud zun Täfschtee für.
Fröindli grüaßt der Pfarra da und na gäat es Fröchn a.

För sei Doudla säicht der Doud, 
däß ar halt will die Gabout, däß ar nie si heemli schtill mit an Döifl eilaß will,
ümmer tröi sei will an Glaam und hoff auf as ewich Laam.-
Hetz wärds Höibla hindrigschträfft, Wasser läfft - as wärd gadäfft.
Nachert auf Schtärn, Brüstla, Schnöizla kriecht as Klee a Krisam-Kröizla.
Guck när na! I mee as fräd si scha üwersch weißa Kläd!

Auf eemal - däß Gott erbarm! - mecht as Klee an Heidalarm.
Wos dös Karla när sou schreit? Its a Christ doch hetz - kee Heid!
" I mee, dar wärd Hunger höm", säicht die Häwamm, "nix wie hem!
Batzert ar ja scho an Randla vo dan blaua Schläffabandla".

Bal wärds Bobbala aufgepöbblt, nachert auf sei Wohl nu gschöpplt.
Vadder, Moader, Häwamm, Bas und dar Doud wärn hochlab laß.
Wia sa alla sou in Schwung, läßt mer zor Erinnerung 
o dia guat galungna Sach nu zun Schluß a Bildla mach.

Numal nimmt dar Doud mit Scharm hetz sei Doudla aufn Arm,
heltn - schtolz drauf, däßarsch ka - unter Gschbött die Millich na.
Aufgazächnt hats der Otto blitzschnall mit sein nöia Foto.
Hetzet ower a sein Arm wärds an Doud markwördi warm, 
Ness gor schbüert er aufamal, lößt vor Schreck as Flaschla fall.
Doch glei lacht er mit Humor in an schodafroha Chor.

Sou hats Glück an Doud nu gschträft,  wa-n-as Doudla hat gedäft.
Leit as Flaschla aa in Schärm, lusti war die Kindleskärm.
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5. Zeit zum Heiern

Schörsch, hörch amol, ich mueß dersch sooch:
Dei Löit warn elder jedn Tooch, 
dei Gschwisteret sen olla daus, a junga Fraa mueß etz neis Haus!
Du meenst, as höt nu a weng Zeit, Dir passets Watter, wenn's sou bleit.
I sooch der ower, hörch ner, Du: Kee Ackerleng it ümmerzu, 
eemal it unner Kraft zu End, mir brauchetn zwä nöia Hend.
Die Fräd on Laam tätst uns verdoppl, dei Moatter könnet nu a weng poppl 
und Enkeli aufziech und verwehn, i gläb, sie döat si danach sehn.

Drüm sahet i - Du wärscht's verschtärn - Dich ehtzet garn auf Brautschau gäan.
I will der niet die Narvn saach, bloß nu een Rat mit aufn Waach.
Ar künnt mer wärkli ganz von Harzn, wennst Glück hast, opfer i a Karzn.

Häßt's nit sou: Nunterwarts geleiert it besser nu, wie naufwarts gheiert?
Du triffst in Gä halt reicha Gatzer und domen Wald mähr Heckaschmatzer.
Dei Lawesdooch sösta di frä, drüm rat i der: Süch sa in Gä!
Es wär doch schöa, wenn sa an Wengert oder a Ackerla mitbrenget,
wäßt, sou a Mörchla Roasabarch, verschtäast mi, wär nit üwerzwarch!

Doch künnt's aufs Heiratguat nit a,as Glück hengt wärkli nit da dra.
Du wäßt ja: Gald geit sie rasch aus, dar Däpp ower, dar bleit in Haus
und warsch mit Heiern sich verdärbt, dar bleit an Hundsfott, bis er schtärbt.

Du bist kee Schouda, kee Hopschores, Du heltst's doch, gläwi, mit der Mores;
drum namm kee Schoppl und kee Schüt, namm Dir as Korn und nit die Süd.
As Korn it fest, hat Laam und röift, die Süd it daab, it leicht und flöicht!

Zwä linka Hend söll sa nit ho, söll nit sou schpät von Boudn ro, 
scha früah föatter Soi und Viecher und a an Aach ho aufs Gazierfer, 
söll deiner Löit die Kammer faach und wenn sa krank sen, tüchti pflaach.
Ähr däß sa si die Backli farwet, söllet sa möch die Wengertsarwet.
Könnt sa guat koch, wärsch nit verkährt, wal Liab halt dörchn Moochn gäat.

Mer säicht, däß Wohltuan Zinsn trochet, drüm sei sa freigawet, nit krochet,
und wenn sa glöiwi Gott vertraut, na hasta nit auf Saand gabaut!
Körz: Sie söll gsund sei und vichlant, as Zöich zammhalt mit viel Verschtand, 
und mooch sa Dich - und Frankawei, na därfst sa ohn Wankn frei!

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6. Rudolph von Scherenberg

"Winheim unter Gerolzhofen", Frankenwinheim heut genannt, 
ist die Heimat eines großen Fürstbischofs im Frankenland.

Vierzehnhunderteins geboren in dem Schloss am Kirchenberg,
war er Letzter seines Namens: Rudolph, Herr von Scherenberg.

Zwar der Letzte seines Namens, doch gewiss der Größte auch; 
denn die Namen seiner Taten werden nimmer Schall und Rauch.

In den Studienjahren sah er Leipzig, Heidelberg und Rom.
Reiche Bildung dort erwarb er für sein hohes Amt im Dom.

Vierzehnhundertsechsundsechzig, damals schon ein alter Mann, 
wählte ihn das Domkapitel, trat er die Regierung an.

Übernahm mit hoher Würde Bürde auch, erdrückend fast, 
trug jedoch in dreißig Jahren ab - des Bistums Schulendlast.

Schenkte sorgsam seinen Landen Maß- und Münzgerechtigkeit,
gab dem Handel und dem Wandel, Markt und Straßen Sicherheit.

Wein vor Fälschung zu bewahren, schritt er gegen Panscher ein.
Als "Winheimer" wein-erfahren, schätzte er den reinen Wein.

Streitigkeiten beizulegen, war ihm jede Mühe wert.
Friede, wusste er, bringt Segen, jede Fehde Kräfte zehrt.

Neuerungen aufgeschlossen, führte er den Buchdruck ein, 
hob mit Büchern so die Bildung in den Klöstern und Pfarrei'n.

Seiner Heimat Frankenwinheim baute er die Kirche neu, 
gab dem "armen" Mann" zum Wohle für sein Vieh die Weide frei.

Und in seinem Testamente wies er Gulden an in bar,
frommen Nutz und zum Gedenken Seelenmessen vier im Jahr.

Vierzehnhundertfünfundneunzig starb der DUX FRANCONIAE.
Zeitgenossen nannten dankbar ihn den PATER PATRIAE.

Meister Tilmann grub das Antlitz Rudolphs in den Marmorstein, 
weist uns eines großen Lebens schweres, würdevolles Sein.

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