Danken und Feiern stand im Mittelpunkt der Eröffnung des Festjahres 2004. Anlass der Feierlichkeiten ist die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde im Jahr 779.
Den feierlichen Festgottesdienst zelebrierte der Ortsgeistliche Pfarrer Waldemar Müller. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes lag in den Händen des Gesangvereins unter der Leitung von Heinz Köpl.
Festredner war der Bezirksheimatpfleger von Unterfranken, Dr. Klaus Reder.
Im Vordergrund seines Vortrags standen nicht historische Fakten der Gemeinde Frankenwinheim, sondern die Bedeutung des fränkischen Dorfes in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.
Er nannte charakteristischen Eigenschaften eines fränkischen Dorfes, um anhand dieser einen Blick in die Zukunft wagen zu können.
Mit einem Zitat aus einem mittelalterlichen Gedicht "din ordenunge ist der pfluoc" - dein Lebensgesetz ist der Pflug - stellte Reder ein Sinnbild vor, dass die Zeiten im geschichtlichen Wandel überdauert hat.
Nicht nur wechselnde Besitzverhältnisse der Herren, Kriege und Katastrophen stellen Geschichte dar, sondern auch der Pflug, der alle Macht überdauert und somit den Alltag des dörflichen Lebens darstellt.
Gerade in der heutigen Zeit befasst sich die Geschichtsforschung auch mit dem Leben des kleinen Mannes im Dorf und so, mit der bäuerlichen Lebensordnung und dem Dorf als geschichtlich-rechtlichem Komplex.
Das fränkische Dorf ist heute und war auch in der Vergangenheit ein kompliziertes rechtliches Gebilde, das auf den Prinzipien von Freiheit und Nachbarschaft fußte.
In Städten verwendete man anstatt der Bezeichnung Nachbar auch das Wort Bürger.
Der Gemeinsinn beherrschte und gestaltete damals und heute das Dorf und das Zusammenleben.
Um auch in Zukunft das fränkische Dorf weiter zu bringen stellte der Bezirksheimatpfleger Klaus Reder zehn Thesen auf.
1. Den Schlüssel für eine gelungen Zukunft sieht er in der Balance der Geschlechter, nicht in Jugendwahn gegen Seniorenwahn. Die Potentiale der Senioren sollten genutzt werden, dabei sollte man aber die Zukunft der Jugend nicht verbauen.
2. Ein Maß finden gegen Individualismus und für die Gemeinschaft. Dabei sollen das Recht auf Privatsphäre und das nachbarschaftliche Leben im Einklang stehen.
3. Fremde nicht als Bedrohung sehen, sondern als Chance sehen und die Fähigkeiten der Fremden nutzen, die diese mitgebracht haben.
4. Jedes Dorf braucht Seele-Mitte-Treffpunkte. Neben dem Vereinsleben sollte es auch die ungezwungenen Momente des Dialogs geben, wie Stammtische und Jugendtreffs ohne Vereinsheim und Satzung.
5. Neues Verwaltungsdenken um mehr Eigenverantwortung zu stärken.
6. Einen Ruck durch Frankenwinheim gehen lassen: Damit meint Klaus Reder eine neue Kultur der Nachbarschaft, der Verantwortung und Bindung für das Leben im Dorf.
7. Die Welt nach Frankenwinheim holen. Mit Hilfe einer Patenschaft die Not der Anderen ganz konkret sehen, dies macht zufriedener und die eigenen Probleme kleiner.
8. Eine neue soziale Kultur pflegen. Die eigenen Fähigkeiten im Dorf fördern und nicht alles den Spezialisten überlassen.
9. Neue Ansätze in der Kulturarbeit gehen, sei es in der Musik, Poesie oder sonstigen Künsten. Gelegenheit zum Austausch schaffen.
10. Eine neue Zufriedenheit schaffen. Das Dorf ein Dorf sein lassen und nicht ein Global Village daraus machen.
Bei ihren Grußworten griffen die Nachredner auf die zehn Thesen zurück.
Landrat Harald Leitherer forderte die Dörfer auf, wieder mehr Gemeinschaft zu fördern, um die Jugend zu halten.
Bürgermeister Hartmut Bräuer aus Gerolzhofen bemerkte, dass der hohe Wohlstand zu weniger Freude und Feiern verleitet und wir hier von den armen Länder wieder viel lernen könnten.
Landtagsabgeordneter Dr. Otto Hünnerkopf warb dafür, in Zeiten des Sparens bei den Kommunen nicht mit Verweigerungshaltung zu antworten, sondern das Dorfleben miteiner positiven Lebenshaltung zu bereichern.
Bürgermeister Robert Finster dankte dem Festredner und unterfränkischen Bezirksheimatpfleger für seinen Vortrag mit einem Weinpräsent, Anni Barthelme für die künstlerische Ausschmückung des Pfarrheims und den Rosenberg-Musikanten unter Leitung von Viktor Hämmerlein für die musikalische Gestaltung.
Von unserem Mitarbeiter Stephan Polster |