Wappen Frankenwinheim (Gestaltung: Heinz Köpl) Werner Gottlieb - Ehrenbürger von Frankenwinheim
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Werner Gottlieb Wichtige Infos

Zur Person Werner Gottlieb

Ernennung zum Ehrenbürger

www.alemannia-judaica.de/... (jüd. Geschichte in Frwh.)

Rede bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde

Zeitungsbericht vom 04.04.2012

www.wir-wollen-uns-erinnern.de (Deportierte aus Frwh.)

Stein der Erinnerung

Besuch im August 2007

Zeitungsbericht in Israel vom 24.04.2012

Erinnerungsbilder...

Stolpersteine 2015-1

Stolpersteine 2014
   

Stolpersteine 2015-2

 

Zur Person Werner Gottlieb

Werner Gottlieb wurde am 12. September 1925 als Erstes von zwei Kindern in Frankenwinheim geboren.
Seine Eltern Max und Jenny Gottlieb bewohnten das ehemalige Anwesen Haus Nr. 86, heute Schallfelder Straße 21.
An seiner Stelle steht heute das Feuerwehrhaus.
Neben dem Viehhandel bewirtschaftete die Familie einen kleinen Bauernhof.
Werner und seine Schwester Vera Gottlieb besuchten wie alle Kinder in Frankenwinheim, unabhängig von der Glaubensrichtung, die Dorfschule, in der jetzt das Rathaus untergebracht ist.
Nur während des Religionsunterrichtes wurde die Klasse getrennt unterrichtet, es gab katholischen und hebräischen Religionsunterricht.
Die Lehrer waren damals Emil Auer und der Rabbiner Isidor Mermelstein.
Die Frankenwinheimer Synagoge steht in der Judengasse und wird heute als Wohnhaus genutzt.
Am 27. September 1937 verließ Werner Gottlieb mit seinen Eltern und seiner Schwester Vera Frankenwinheim und emigrierte nach New York, USA.
Seine Großmutter Sabina verblieb auf eigenen Wunsch in Frankenwinheim und wurde am 5. Dezember 1942 in Theresienstadt getötet.
Heute lebt Werner Gottlieb zusammen mit seiner Frau Shirley in San Francisco.
Die beiden haben 3 Kinder Leonhard, Debbie und David sowie 5 Enkel.
In den letzten 25 Jahren besuchte Werner Gottlieb fünfmal Frankenwinheim, begleitet wurde er bei seinem jetzigen Besuch von seiner Enkelin Elspeth Looks aus Israel.

Verleihung der Ehrenbürgerwürde bei einem Empfang der Gemeinde am 01.04.2012
   

Rede von Werner Gottlieb bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde am 01.04.2012      (Download der Rede als PDF-Datei)

Grüß Gott Frankenwinheimer,
Sehr geehrter  Bürgermeister Finster, Frau Bürgermeisterin, Mitglieder des Gemeinderates, Ehrengäste, Frankenwinheimer Mitbürger,
Liebe Freunde,

die Ehre, die mir entgegen gebracht wird, erfreut mich und macht mich sehr glücklich.
Aber vor allen Dingen bin ich stolz und dankbar dafür, was Frankenwinheim durch die Arbeit seiner Bürgermeister Kunzmann, Theuerer und Finster und  dem Dichter und Schriftsteller Fritz Röll erreicht hat. Ich bin genauso dankbar für die Arbeit und den Einsatz von drei Generationen der Familie Helbig und Frankenwinheimer Freunden, die den ermordeten jüdischen Mitbürgern gedenken und zur Versöhnung beitragen. Ich freue mich und fühle mich geehrt, dass ich während der letzten 25 Jahre an diesem Prozess beteiligt sein konnte.
Liebe Frankenwinheimer Mitbürger, lasst uns feiern und stolz sein, was wir bisher erreicht haben.
Nun möchte ich mehr über die Versöhnung sprechen. Wir haben schon viel erreicht im Prozess der Versöhnung, trotzdem sollten wir noch mehr dafür tun. Warum? Weil die Versöhnung ein Prozess ist und kein Ziel. Wenn wir den Prozess der Versöhnung durchlaufen, vergessen oder ignorieren wir nicht, was war, sondern wir beschließen, aus der Vergangenheit zu lernen. Die Versöhnung  verändert die Beziehung untereinander, wie wir miteinander umgehen, wie wir die Welt sehen und wie wir mit der Welt umgehen. Es gibt jedoch einige Taten, die eine Versöhnung nicht in Betracht ziehen. Diese können nicht toleriert und dürfen nicht vergessen werden.
Nur ein paar Meter von hier, wo wir jetzt stehen, unten am Kirchberg, steht das Haus, in dem mein Freund Gerhard Friedmann geboren wurde. Am 22. April 1942 wurden Gerhard und sein Bruder Walter, seine Schwester Ilse und ihre Eltern aus ihrem Haus geschleppt, auf einem Lastwagen geladen, zu einem Sammelplatz in Würzburg gefahren. Dort wurden sie zusammen mit allen anderen übrigen Juden aus Unterfranken auf Viehwägen geladen, in ein Lager nach Polen gebracht, getötet und in einem Krematorium verbrannt.
70 Jahre später, am 11. März 2012, kam ein Mann auf einem Motorrad vor eine jüdische Schule in Toulouse in Frankreich gefahren, schoss um sich und tötete drei junge Kinder und ihren 35 Jahre alten Vater und Lehrer. Der einzige Grund für dieses Töten – wie im Jahre 1942 und 2012 – war, dass die Menschen Juden waren.
Hass ist sinnlos und nimmt auf Volkszugehörigkeit und Glaubenszugehörigkeit keine Rücksicht. Wir dürfen die Menschen nicht vergessen, die unter dem Bösen gelitten haben.
Im Jahre 1992 habe ich während meines Besuchs in Frankenwinheim Schorsch Plettner getroffen. Als ich hier gelebt habe, war er mein Nachbar. Er war derjenige, der uns half, das Vieh vom Bahnhof in Gerolzhofen nach Hause zu fahren. Er erzählte mir mit Tränen in den Augen, wie er am Ende des Zweiten Weltkriegs für viele Jahre in einem Arbeitslager für deutsche Soldaten gefangen gehalten wurde. Die Bedingungen dort waren unmenschlich und unvorstellbar. Als er endlich entlassen wurde und am Bahnhof in Gerolzhofen ankam, war er so verwirrt und verängstigt, dass er in den Wald rannte. Dort hat er sich  viele Tage lang versteckt, bis er gefunden und nach Hause gebracht wurde. Ich weiß, dass Schorsch nur einer von Tausenden ehemaligen deutschen Soldaten war, die in Stalins Arbeitslagern brutal misshandelt und zum Tod verurteilt wurden, nur weil sie Deutsche waren. 
Meine lieben Frankenwinheimer, was können wir tun für den weiteren Versöhnungsprozess? Um eines klarzustellen! Niemand von uns ist schuldig. Die Schuldigen sind mit wenigen Ausnahmen tot. Wir sind nicht schuldig, wir sind verantwortlich.
Der Versöhnungsprozess, in den wir eingebunden sind, verlangt, dass wir Verantwortung, Verbundenheit und Einsatz zeigen. Und ich hoffe, diese Verantwortung an unsere Kinder und Enkel weitervermitteln zu können, wie es mir bei meinen Kindern und Enkelkindern gelungen ist. Diesmal begleitet mich meine Enkelin Elspeth, die ich Ihnen gerne vorstellen darf.
Diese Verantwortung verlangt, dass wir Verbrecher persönlich aufgrund ihrer Taten zur Verantwortung ziehen, nicht aufgrund ihrer Rasse, ihrer Nationalität, ihrer Religion, ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer Geschichte oder ihrer Kultur.
Wir können den Versöhnungsprozess durch Erinnern und Aufklären am Laufen halten, wie es Gudrun Theuerer 1988 und Juliane Böhm 1999 in ihren Facharbeiten gelungen ist.
Wie es Eva-Maria Bräuer am Jüdischen Friedhof tut und im Namen der Betroffenen Aufklärungsarbeit leistet, ebenso  wie Fritz Röll in seinen Gedichten und Texten.
Wir können weiterhin Denkmäler setzen. Bürgermeister Finster und die Gemeinderäte von Frankenwinheim errichteten deshalb einen  Gedenkstein für die ermordeten Juden.
Vor allem können wir den Versöhnungsprozess weiterführen, indem wir uns daran beteiligen und immer gegen Fremdenhass kämpfen.
Liebe Mitbürger,  es gibt verschiedene Wege zu der Ewigkeit. Aber es gibt nur eine gemeinsame Menschlichkeit. Wenn wir diese gemeinsame Menschlichkeit erreichen, mit Respekt für Unterschiede und Ehrlichkeit, wie wir es hier in Frankenwinheim getan haben, sind wir wirklich eingebunden im Versöhnungsprozess.
Ich möchte sie nun alle zu einer Minute des Schweigens auffordern in Gedenken an die Familie Friedmann, die Mordopfer von Toulouse und Schorsch Plettner, welcher brutal im  Stalinistischen Russland gefoltert wurde.
Dies ist nun mein fünfter Besuch in Frankenwinheim. Mein Enkelin Elspeth und ich möchten uns für die Einladung bei Herrn Bürgermeister Finster und der Gemeinde Frankenwinheim  herzlich bedanken. Auch möchte ich für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse meinen Dank aussprechen und wünsche Euch allen eine gute Zukunft.

Main-Post-Zeitungsbericht vom 04.04.2012

Neuer Ehrenbürger aus San Francisco
Jüdischer Emigrant Werner Gottlieb für seine Versöhnungsbereitschaft gewürdigt
Der ehemalige Frankenwinheimer Bürger jüdischen Glaubens, Werner Gottlieb, der am 27. September 1937 mit seinen Eltern Max und Jenny und seiner Schwester Vera in die USA auswanderte, wurde im Rahmen einer kleinen Feierstunde zum sechsten Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. Bürgermeister Robert Finster konnte auch Werner Gottliebs mitgereiste Enkelin Elspeth Looks aus Israel begrüßen.
Zu der Feierstunde waren Vorstandsmitglieder der Vereine, Verbände und Kirchengemeinden geladen. Besonders wurde die Familie Helbig begrüßt, mit der Werner Gottlieb seit vielen Jahren befreundet ist, und die ihn während seiner Aufenthalte beherbergt, denn Gottlieb wohnt mittlerweile in San Francisco. Aus Gerolzhofen waren Bürgermeisterin Irmgard Krammer sowie Hauptkommissarin Margit Endres, die Leiterin der Polizeiinspektion, erschienen. Eva-Maria Bräuer aus Gerolzhofen stellte vor 25 Jahren den ersten Kontakt zwischen der Familie Gottlieb und ehemaligen Frankenwinheimer Schulkollegen her und war deshalb ebenfalls eingeladen.
Für die feierliche musikalische Umrahmung des Abends sorgte Martin Reisinger mit seiner Tochter Magdalena. Die Urkunde und den Eintrag ins Goldene Buch gestaltete Heinz Köpl.
Brückenschlag zur Versöhnung
Mit einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss erhielt der frühere jüdische Mitbürger Werner Gottlieb die höchste Auszeichnung der Gemeinde, die Ehrenbürgerwürde. In seiner Ansprache ging Robert Finster auf die besonderen Verdienste des Geehrten ein. Trotz vieler negativer Erlebnisse während der Nazi-Diktatur und bei seinem Einsatz als Dolmetscher während der Entnazifizierung war Gottlieb eines Tages bereit, wieder nach Frankenwinheim zurück zu kommen. Damit begann ein Prozess der Beschäftigung und Aufarbeitung in der Dorfbevölkerung.
Finster stellte fest, dass es nicht die Zeit ist, die Wunden heilt, sondern das, was Menschen in dieser Zeit bewirken. Werner Gottlieb erreichte durch seine Bereitschaft, die alte Heimat wieder zu besuchen, durch sein charismatisches Auftreten und seine ergreifenden Reden den Brückenschlag zum Beginn eines Versöhnungsprozesses, bescheinigte Finster. Laut Robert Finster will die Gemeinde Frankenwinheim mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde ein Exempel gegen braune Vergangenheit statuieren und für den offenen Umgang untereinander und ein menschliches Miteinander in der Zukunft werben.
Werner Gottlieb drückte in seiner emotionalen Rede seine Dankbarkeit dafür aus, dass man sich in Frankenwinheim in den letzten 25 Jahren mit der Ermordung der jüdischen Mitbürger beschäftigt hat und so ein Versöhnungsprozess begann. Laut Gottlieb ist Versöhnung allerdings ein Prozess und kein Ziel und deshalb noch nicht abgeschlossen. Versöhnung ist auch nicht in allen Fällen möglich. Er erinnerte an die Familie seines Frankenwinheimer Jugendfreundes Gerhard Friedmann die 1942 aus ihrem Haus geschleppt, auf einen Lastwagen geladen und schließlich in einem polnischen Lager getötet wurde. Erst im März dieses Jahres wurden in Toulouse vier Menschen auch nur aus dem Grund getötet, weil sie Juden waren.
Keine Schuld, aber Verantwortung
Er zog eine Parallele zu den Deutschen, die in russischen Arbeitslagern nach dem Krieg brutal misshandelt und zum Tod verurteilt wurden, nur weil sie Deutsche waren.
Die heutige Generation ist in den Augen von Werner Gottlieb nicht schuldig, aber verantwortlich. Diese Verantwortung können alle wahrnehmen durch Erinnern, Aufklären und indem sie Schuldige zur Verantwortung ziehen. Besonders wichtig sei es, gegen Fremdenhass vorzugehen. Der neue Ehrenbürger rief zu einer Schweigeminute zum Gedenken an die Familie Friedmann, die Mordopfer von Toulouse und seinen ehemaligen Nachbarn Schorsch Plettner, welcher brutal im stalinistischen Russland gefoltert wurde auf. Zuvor sagte er wörtlich: „Es gibt verschiedene Wege zu der Ewigkeit. Aber es gibt nur eine gemeinsame Menschlichkeit. Wenn wir diese gemeinsame Menschlichkeit erreichen, mit Respekt für Unterschiede und Ehrlichkeit, wie wir es hier in Frankenwinheim getan haben, sind wir wirklich eingebunden im Versöhnungsprozess.
                                                                                                                          Von unserem Mitarbeiter Stefan Polster

"Stein der Erinnerung" - Gestiftet vom Ehepaar Hildegard und Fritz Röll 2008

Ein "Stein der Erinnerung" steht seit kurzem am Feuerwehrplatz in Frankenwinheim.
Der ehemalige Frankenwinheimer Bürger Fritz Röll und seine Frau Hildegard ließen anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit den "Stein der Erinnerung" auf dem ehemaligen Anwesen des jüdischen Mitbürgers Max Gottlieb aufstellen.
Bürgermeister Robert Finster lobte das Engagement der Familie Röll und freute sich dass ein zusätzlicher Hinweis auf die jüdische Vergangenheit in Frankenwinheim nun existiert.
Weitere Zeugnisse sind die ehemalige Synagoge und ein Gedenkstein vor dem Rathaus der an die letzten jüdischen Opfer aus Frankenwinheim im Konzentrationslager Theresienstadt erinnert.
Auf dem neuen Gedenkstein ist eine Bronzeplatte mit folgender Inschrift angebracht: " Still erinnern will die Linde - auch an Bürger Max Gottlieb, - den die Sorge um die Seinen - hier von Haus und Hof vertrieb. 1937."
Das Anwesen Gottlieb wurde nach dem Krieg abgerissen, heute steht an dieser Stelle das Feuerwehrhaus beziehungsweise ist der Feuerwehrplatz angelegt. Der Sohn von Max Gottlieb, Werner Gottlieb besuchte nach dem Krieg vier Mal sein Geburtsdorf Frankenwinheim. Es entwickelten sich daraus wieder innige Beziehungen, Werner Gottlieb steht mit den Familien Böhm, Helbig und Röll im engen Kontakt.
Bei seinem letzten Besuch 2007 ging er nochmals in einer bewegenden Rede auf die Zeit vor und während der Emigration ein. Er beschrieb auch seine Beweggründe und Aufarbeitungszeit die er benötigte bevor er Deutschland nach vielen Jahren wieder besuchen konnte. Aus seiner Rede stammt folgender
Ausspruch: "Ich habe nun gelernt, dass es nicht richtig war, Frankenwinheim und alles Deutsche 50 Jahre zu vermeiden. Ich habe mir gute Erinnerungen und mögliche Freundschaften vorenthalten. Ich bin dankbar dafür, dass sich dies während der letzten 20 Jahre mit eurer Hilfe geändert hat. Mir ist bewusst geworden, dass man immer in die Zukunft schauen soll, um eine beschädigte Welt zu reparieren. Wir müssen gegen Fremdenhass ankämpfen ".
Für den 83 jährigen Werner Gottlieb schloss sich mit diesem Besuch der Kreis indem er seinen Kindern und Enkeln seine Geburtsstätte zeigte. Für ihn war wichtig, dass seine Angehörigen seine Erinnerungen auch einmal anschaulich miterleben konnten und er den einzelnen Besuchsorten mit seinem Gedankengut Leben einhauchen konnte.

August 2007: Werner Gottlieb - ein ehemaliger jüdischer Mitbürger zu Gast in Frankenwinheim
(Download: Main-Post-Berichte vom 16./24.08.2007-pdf-Datei!)
     

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Gedenksteine.. Hinweistafel Synagoge Grabstein Gottlieb Max Kolb Schulklasse 1936
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