Aus der Geschichte Frankenwinheims

Der Name des Dorfes

Der Bauernkrieg 1525

Dreißigjähriger Krieg 1618-1648

Funde

Die Pest

Jüdische Geschichte

Schloss

Hexenverfolgungen

Die beiden Weltkriege (1914-1918 und 1939-1945)

Literatur:
a) Das Dorf Frankenwinheim, Sebastian Pfriem, 1926, Reprint 1998 mit einem Nachwort von Josef u. Elfriede Kunzmann
b) 1200 Jahre Frankenwinheim, Jubiläumsschrift der Gemeinde anlässlich des Festjahres 1979
c) Festschrift "125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Frankenwinheim, Elmar Walter,1999
d) Ein Dorf im Wandel der Zeit,  Katharina Thoma, Facharbeit 1997

 

Der Name des Dorfes:

Die Mark von Frankenwinheim ist ältestes vorgeschichtliches Kulturland und liegt auf der Linie, auf der die einwandernden Franken auf die vordringenden Slawen oder Wenden (winidi) stießen.

Setzt man die fränkische Wohnsitzbezeichnung „heim“ mit „winidi“ zusammen, ergibt sich daraus der älteste belegte Namen unseres Dorfes: „Winideheim“. Dieser Name findet sich bereits in einem Verzeichnis über alle dem Kloster Fulda geschenkten Güter, das der Mönch Eberhard im 12. Jahrhundert angelegt hat unter Beiziehung der alten, damals noch vorhandenen Stiftungsurkunden. Die Jahreszahlen der Schenkungen sind leider nicht angegeben, doch wissen wir, dass die verzeichneten Stiftungen alle in die Regierungszeit der ersten fünf Fuldaer Äbte zwischen 744 und 841 fallen. Die Stiftungsurkunden sind zwar verloren, aber in dem zitierten Verzeichnis aus dem Jahr 779 heißt es (in lateinischer Sprache):
„Ich Ilbing übergebe dem heiligen Bonifacius (d. h. seinem Kloster Fulda) meine Güter im Gau Volkfeld in den nachgenannten Dörfern ... Gerolteshoven, Winideheim ...“.
Dieses Dokument gab dem Dorf 1979 den Anlass für eine prachtvolle 1200-Jahr-Feier mit großem Festumzug. Zur Erinnerung daran steht heute vor dem Feuerwehrhaus eine Linde.
Daneben existiert die berechtigte Annahme, dass die Siedlung „Winideheim“ von den einwandernden Franken „Wendenheim“ genannt wurde, da sie sie schon von den Wenden besiedelt vorfanden.

Das älteste Würzburger Lehenbuch (1303) nennt das Dorf mit vielen Namen: Windeheim, Wyndheim, Winehoim, Windeheina, Windheim, Windeheim, Windeheim prope (= bei) Gerolteshoven, u. a.. Diese Bezeichnungen wurden aber fast alle auch für das Dorf Burgwindheim gebraucht.

Daher wurden in einer Handschrift aus dem Jahr 1453 die beiden Orte folgendermaßen auseinander gehalten: Das heutige Frankenwinheim wurde als „Windheim inferior“ (= Unterwindheim) und das Dorf Burgwindheim wurde als „Windheim superior“ (= Oberwindheim) bezeichnet.

Als sich für unser Gebiet die Bezeichnung „Franken“ durchsetzte, hat man dem „unteren Windheim (Windheim inferior)“ das Wort „Franken“ und dem anderen wegen der dort bestehenden Burg das Wort „Burg“ vorgesetzt. So wurde aus unserem Dorf „Unterwindheim“ ein „Frankenwinheim“.

 

Funde:

Wie Funde aus allen Epochen der Frühgeschichte beweisen, ist die Gemarkung von Frankenwinheim ältestes vorgeschichtliches Kulturland.
Seit einigen Jahren ist eine Germanensiedlung aus der Zeit der römischen Kaiser nachgewiesen, in der die Häuser in römischer Art gebaut waren. Auch römische Münzen, sonstiges Handelsgut und Beutestücke gehörten zu den Funden.
1977 entdeckte Hans Koppelt (Gerolzhofen) auf einem Acker in Frankenwinheim das Bruchstück eines römischen Bronzeadlers aus dem 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus. Seine römische Herkunft steht außer Zweifel, über seine ursprüngliche Verwendung aber sind die Meinungen geteilt. Einige Fachleute halten es aber für denkbar, dass dieser Bronzeadler als Legionsadler krönender Teil eines römischen Feldzeichens war.

 

Schloss:

Im ältesten Würzburger Lehenbuch des Bischofs Andreas von Gundelfingen wird im Jahre 1303 berichtet, dass der Ritter Konrad Fuchs aus Bimbach zu Lehen eine curia (= Herrenhof, Wirtschaftshof) erhalten hat.
Damit ist unser adeliger Ansitz, das Schlossgut zu Frankenwinheim gemeint (jetziger Besitzer: Müller Werner, Scherenbergstr. 2).
Um 1400
saßen auf dem Schlossgut die Eltern des Fürstbischofs Rudolph von Scherenberg. Da die Geburtszeit des Kirchenfürsten ebenfalls in diese Zeit fällt, kann mit großer Sicherheit angenommen werden, dass Rudolph von Scherenberg in Frankenwinheim geboren wurde.
Dieser wohl bedeutendste Frankenwinheimer starb am 29. April 1495. Sein Grabmal im Dom zu Würzburg meißelte Til Riemenschneider.
Vor dem Schlossgut ließ die Gemeinde 1985 ihm zu Ehren eine Sandsteinplastik aufstellen und eine Medaille für verdiente Bürger wurde nach ihm benannt: die „Scherenbergmedaille“.

 

Der Bauernkrieg 1525:

Im Jahr 1525 kam das Fränkische Bauernheer von Ochsenfurt über Stadelschwarzach und Frankenwinheim nach Gerolzhofen. Auch Frankenwinheimer schlossen sich diesem Bauernhaufen an. Sie zerstörten die Schlösser in Gerolzhofen und Bimbach sowie die Burgen „Zabelstein“ und „Stollburg“.

 

Die Pest:

Im Jahr 1611 wütete in Frankenwinheim der „Schwarze Tod“. Es starben 91 Menschen an der Pest. Nachdem die Seuche im Januar ausgebrochen war, erreichte sie im September mit 26 und im Oktober mit 27 Toten ihren Höhepunkt. Danach flaute sie allmählich wieder ab.
Die Bewohner aus den Nachbardörfern brachten aus Mitleid Speisen für die Pestkranken auf den Brückenwasen. An einem mächtigen Feuer, das die Ansteckungsgefahr mindern sollte, wurden die Essgeschirre sofort wieder gereinigt.
Aus der Pestzeit stammt auch die interessante Sandstein-Pieta in der Kirche. Sie trägt folgende Inschrift: „Diese Pildnuß im petzt hat im aldar auß den augen Geweinet und waßer Geschwitzt im Jahr Geschah 1778“. Eine weinende Madonna in Frankenwinheim also? Weit gefehlt! Das „Wunder“ geht auf einen  findigen Mesner zurück, der Wallfahrtszüge anlocken wollte, um den trostlosen Kirchenfinanzen aufzuhelfen.

 

Hexenverfolgungen:

In den Jahren 1616 bis 1619 erfasste auch unsere Gegend der Hexenwahn. In diesen Jahren wurden auf dem „Hexenwasen“ zu Gerolzhofen insgesamt 261 „Hexenleut“ verbrannt oder auf andere Weise hingerichtet.
Auch vier Frankenwinheimer Frauen müssen dabei gewesen sein, denn die Bußgelder der Ehemänner, die ihre Frauen als Hexen hatten verbrennen lassen, wurden auf Befehl des Würzburger Fürstbischofs zur Beschaffung neuer Glocken für die Frankenwinheimer Kirche verwendet.

 

Dreißigjähriger Krieg 1618-1648:

(hier: Der sogenannte „Schwedenkrieg“ von 1630-1635)

Über die Schrecken dieses Krieges wissen wir glücklicherweise recht gut Bescheid. Nikolaus Heilmann, Schulmeister und Gerichtsschreiber in Frankenwinheim, berichtet darüber sehr anschaulich:

1631: Eines Tages erschien, von Lülsfeld herkommend, eine Schar streifender Schweden, siebzehn Reiter und acht Fußsoldaten, die geraubtes Vieh, zwei Herden Kühe, eine Herde Schweine und eine Herde Schafe vor sich hertrieben, wohl über tausend Stück. Sie fielen ins Dorf ein, plünderten und zogen das Vieh aus den Ställen. Die Einwohner rührten die Trommel, läuteten Sturm und bewaffneten sich in Eile. Ein wilder Straßenkampf entstand, bei dem Schüsse gewechselt wurden. Frauen und Kinder schrien zusammen und rangen die Hände. Die Schweden wurden zwar zunächst aus dem Dorf hinausgedrängt, aber die Überfallenen mussten es schwer büßen, ihr Eigentum verteidigt zu haben. Jetzt erst begann das namenlose Elend, gegen das alles bisher Dagewesene ein Kinderspiel war; nun ging das Rauben, Morden und Plündern an; alles wurde hinweggenommen: Ross und Wagen, Rinder, Schweine, Wein und Getreide, Geld, Ehr und Gut, Fleisch und Blut, kurz alles. Da gab es genug Angst und Klagen, Not und Jammer. Kein Mensch konnte etwas zurück behalten, vom Mund riss man es ihm weg.

1632 ging es noch elender zu. Anfangs des Jahres kam der schwedische Oberst Vorbusch mit einigen hundert Mann ins Dorf, ließ die drei Tore, das Brückentor, das Schlosstor und das obere Tor nieder reißen und mehrere außerhalb des Befestigung liegende Häuser nieder brennen.

1633: Kein Wein, kein Getreide, kein Brot, kein Vieh mehr im Stall. Draußen die Felder verwahrlost, alles entweder aufgezehrt oder vernichtet. Was nun beginnen? Not bricht Eisen. Die Leute spannten sich zu sieben und acht, auch zehn Personen an einen Pflug und halfen sich gegenseitig die Äcker zu bestellen ... und haben erbärmlich gezogen, dass einem wohl hat mögen das Herz zerspringen“.

 

Die beiden Weltkriege (1914 - 1918 und 1939 - 1945):

Auch die beiden Weltkriege in unserem Jahrhundert haben in unserem Dorf ihre grausige Ernte gehalten. Zwischen 1914 und 1918 fielen 21 Männer. Die Gemeinde hat diesen Soldaten auf dem „Kirchberg“ ein Denkmal gesetzt, auf dem der Soldatenheilige St. Georg dargestellt ist. Ferner sind ihre Namen auf einer Steintafel in der kleinen Friedhofskapelle auf einer Steinplatte nachlesbar.

Der Zweite Weltkrieg (1939 - 1945) forderte 23 MenschenlebenI. Auch ihre Namen sind auf einer Steintafel in der kleinen Friedhofskapelle auf einer Steinplatte nachlesbar. Zu ihrem Gedächtnis und zum Gedächtnis der Opfer der Unmenschlichkeit hat die Gemeinde im Jahre 1969 ein würdiges Mahnmal im Friedhof errichtet.
(Inschrift: Unseren Gefallenen und den Opfern der Unmenschlichkeit - 1939/45 und 1914/18 - Zu Frieden und Menschlichkeit gemahne ihr Tod)