Aus der Geschichte Frankenwinheim

Das Schulwesen in Frankenwinheim

Sebastian Pfriem schreibt dazu in seinem Buch (1926, Seite 69 - 77) folgendes (Auszüge!):

"Ein Visitationsbericht aus dem Jahr 1612 lässt im Zusammenhalt mit einem solchen aus dem Jahr 1593 erkennen, dass im Jahr 1602 oder 1604 das erste Schulhaus in Frankenwinheim neu errichtet und und der Volkschulunterricht eingeführt wurde. Der Lehrer gab Unterricht  in der deutschen und der lateinischen Sprache. ...

... Der Lehrer hieß früher Schulmeister. Wenn man dies Wort recht betrachtet (Meister der Schule), so ist es eigentlich ein Ehrentitel. Erst die Sprachmode hat das Wort zu einem verächtlichen und beleidigenden Ausdruck umgestempelt. ...

... Das Einkommen des Lehrers war ein geradezu klägliches, es wurde ihm für Schul- und Kirchendienst gereicht.

... Eine Schulpflicht kannte man damals noch nicht; man hatte noch keineswegs die Wichtigkeit der Schulbildung für das spätere Leben erfasst. Die Eltern schickten ihre Kinder in die Schule, wann sie wollten, ähnlich wie sie es heute (Anm.:1926!) bei den Kleinkinderbewahranstalten machen. Es mutet uns darum heute eigentümlich an, wenn es in dem Bericht von 1612 weiter heißt: "Der Lehrer hat in diesem Winter (1612) 18 Schüler, im Sommer 3 oder 4, manchmal auch gar keine." Dieser niedrigen Einschätzung des Schulunterrichtes in der damaligen Zeit entsprach auch leider die Wertschätzung des Lehrers. ...

... Im ganzen Dekanat Gerolzhofen mit 74 Ortschaften gab es nur 22 Schulen. ...

... Ein bemerkenswertes Schlaglicht auf die Rechtsverhältnisse in jener Zeit zwischen Lehrer einerseits und Pfarrer und geistlicher Obrigkeit andererseits wirft der Inhalt zweier Schriftstücke, aus denen Folgendes hervorgeht: Am 22. Juli 1661 verklagte die Gemeinde Frankenwinheim ihren Lehrer Thomas Marschall bei der kirchlichen Oberbehörde. Marschall war durchaus nicht beliebt im Dorfe und musste sich recht viel Quälereien gefallen lassen. Man beschuldigte ihn der Trägheit, der Trunksucht und des Jähzorns; man rechnete dem Bischof sein Gehalt vor. ...
(Anmerkung: Grund dieser Anklage: Die Einwohner mussten dem Lehrer mehr Naturalien "bezahlen", die Pfarrer Werner von Gerolzhofen angeordnet hatte)
... Diese Beschwerde verrät zugleich den Grund der inszenierten Hetze; es war der Ärger über die erfolgte Aufbesserung des Lehrers, die gewiss berechtigt war, aber auf  Kosten der Ortsnachbarn ging. Die Bauern waren selbst arg genug gedrückt, aber dem Lehrer gegenüber glaubten sie den ungnädigen Herrn spielen zu dürfen. Hass macht erfinderisch in der Entdeckung von Anklagepunkten, aber auch blind. So warfen sie dem Lehrer noch vor, er habe Äcker gekauft und laufe der Feldarbeit nach, komme oft nach 7 Uhr zur Schule und leiste gar nichts. Die Absicht war klar, man wollte den verhassten Mann, der beim Pfarrer in Gerolzhofen diese Aufbesserung durchgedrückt hatte, zum Dorf  hinausbringen. Ob man damit Erfolg hatte, ist nicht bekannt. ...

Das Schulwesen 1796:
... Der Lehrer hat die Kinder zu unterrichten im Lesen, Schreiben, in der deutschen Sprache, im Rechnen, in der christlichen Lehre und biblischen Geschichte, in Geographie (Erdkunde) und Vaterlandskunde. Die Lehrerin hat Unterricht im Nähen, Stricken und häuslichen Arbeiten zu erteilen. Unterricht findet auch statt in der Blumenpflege, im Pelzen (Veredlen), Occalieren und im Gemüseanbau in einem besonders dazu angelegten Garten. ...

... Die Kinder müssen von 6 - 12  Jahren in die Schule gehen. Sie werden klassenweise unterrichtet. Alle Jahre ist in der Kirche oder auf dem Rathaus öffentliche Schulprüfung; dazu sollen der Beamte (des Grafen), der Ortsvorsteher, ein Gerichtsmann zugegen sein; ferner sind alle einzuladen, die dabei sein wollen. Die 12 Jahre alten, die die Schulprüfung bestanden haben, sollen aus der Werktagsschule entlassen werden und noch 2 Jahre die Sonntagsschule besuchen. Der Unterricht findet am Sonntag vor dem Nachmittagsgottesdienst statt und dauert eine Stunde. In ihr soll das Gelernte wiederholt werden. ...

... Im August des Jahres 1813 erhielt die Schulstelle zu Frankenwinheim der Schullehrer Vinzenz Schimpf, vorher Lehrer von Margetshöchheim. ...(Anmerkung: Er, sein Sohn Michael Schimpf und sein Enkel Roman Schimpf, hatten die Schulstelle insgesamt 114 Jahre inne!)

... Im Jahre 1888 wurde die 2. Schulstelle errichtet und im Rathaus untergebracht. ...

... Seit 1. August 1903 ist die 2. Schule mit einer Lehrerin besetzt. ...

... Bei der Trennung des Kirchendienstes vom Schuldienste 1925 (Anmerk.:1924!?) wurde zwischen Kirchenverwaltung und Gemeinderat vereinbart, dass sämtliche bisherigen Schuldienstgründe (7 Morgen) in das Eigentum der Kirchenstiftung übergehen; außerdem erhält die Kirche noch die Hälfte der von den Lehrern zu zahlenden Wohnungsmiete für die Abtretung der Rechte auf die Mesnerwohnung. ...
(Anmerkung: Trennung des niederen Kirchendienstes von der Volkschuldienststelle 1909!)

... (Seite 43) Die Schule war früher ein Wesensbestandteil, eine Zweiganstalt der Kirche, in vielen Fällen wenigstens. Erziehung und Unterricht des Volkes war eine Hauptaufgabe der Kirche, bis ihr der Staat nach und nach diese Aufgabe mehr und mehr aus der Hand nahm und sie zu seiner eigenen Pflicht machte. Daher noch bis in die letzten Jahre herein die Verbindung von kirchlichen Einkommen, z. B. Läutkorn, mit dem Einkommen aus dem Schuldienste. Viel Schulhäuser sind ehemalige Mesnerwohnungen. Der Lehrer war in erster Linie Mesner und als solcher erteilte er im Mesnerhaus auch Schulunterricht. Er hatte auch allein das Recht dazu: daher sagt man, der Schuldienst sei mit dem Mesnerdienst organisch verbunden gewesen. ...
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1939/40: Einführung des 8. Schuljahres in Frankenwinheim

1967: Auflösung der Volksschule Frankenwinheim, Umwandlung in eine ...

1967/68: ... katholische Bekenntnisschule Frankenwinheim-Brünnstadt

1973: Gründung des Schulverbandes Gerolzhofen