Großes Interesse fand der Rundgang „Auf den Spuren jüdischen Lebens in Frankenwinheim“, zu dem die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) am 24. Juli 2026 eingeladen hatte. 63 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter viele Jugendliche aus Frankenwinheim, folgten der Einladung. Mit fünf Jahren war Matthias Böpple der jüngste Teilnehmer.
Die Kennerin der fränkisch-jüdischen Geschichte Evamaria Bräuer führte die Gruppe durch das Dorf und vermittelte eindrucksvoll und kindgerecht, wie jüdische Familien über Jahrhunderte das Leben in Frankenwinheim prägten. Sie berichtete vom Miteinander im Dorf, aber auch von Ausgrenzung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit. Zeitweise waren mehr als 18 Prozent der Einwohner jüdischer Herkunft und 1933 nur noch 38 Personen. Besonders erinnerte sie an den Lehrer Josef Kissinger, Großonkel des späteren US-Außenministers Henry Kissinger. Josef Kissinger war auch jahrelang der Schriftführer bei der Feuerwehr.
Am Denkmal am Rathaus stand Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ im Mittelpunkt. Die bronzene Schultasche erinnert an den siebenjährigen Isbert Wolf, der deportiert und ermordet wurde.
Weitere Stationen waren das Kriegerdenkmal, an dem an den 1917 gefallenen jüdischen Soldaten Felix Kolb erinnert wurde, die ehemalige Synagoge mit Informationen über jüdisches Leben, Religion und Erfindungen jüdischer Persönlichkeiten sowie die Stolpersteine am Feuerwehrplatz. Dort schilderte Frau Bräuer die bewegende Auswanderung der Familie Gottlieb und erläuterte jüdische Traditionen wie Sabbat, Kippa, koscheres Essen und den Begriff „Massel“. Am ehemaligen Anwesen von Simon Hirsch (jetzt Kunzmann) erklärte sie schließlich die Bedeutung der Mesusa am Türpfosten.
Zum Abschluss dankte Bettina Roth der Referentin für den eindrucksvollen Rundgang und lud alle Jugendlichen zu einem Eis ein. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig die Erinnerung an die jüdische Geschichte Frankenwinheims und die Achtung der Menschenwürde für das Zusammenleben heute sind. Solche Ereignisse wie unter der NS-Zeit dürfen nie mehr passieren!














